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AYA Universitätsklinikum Frankfurt

Zentrum für Jugendliche und junge Erwachsene mit Krebserkrankungen (AYA), Klinikum der Goethe-Universität (UCT)
Frankfurt
2008 - 2009
Projektstudie
Gesundheit, Gastronomie

Städtebauliche Situation

Der Standort des Klinikums der Johann-Wolfgang-Goethe Universität Frankfurt am Main stellt sich zum heutigen Zeitpunkt als heterogenes Ensemble unterschiedlicher Gebäude aus unterschiedlichen Zeiten dar. Dominiert wird dieses Gebäudeensemble durch das zentral gelegene Bettenhaus im Kernbereich des Klinikgeländes. Innerhalb des Kernbereichs finden derzeit Umstrukturierungen statt, die eine Zentralisierung der Patientenversorgung zur Zielsetzung haben. Diese Umstrukturierungen erfolgen in mehreren Bauabschnitten. Der 1. Bauabschnitt „Erweiterungsbau“ ist abgeschlossen, der 2. Bauabschnitt „Sanierung des Bettenhauses und des Sockels Haus 23“ wurde vor einiger Zeit begonnen. Parallel zu der Ausführung des 2. Bauabschnittes erfolgte eine Ausschreibung zur Sanierung der Mensa und des Küchenbereichs, welcher unmittelbar an den Kernbereich der Patientenversorgung angrenzt. Dieser Bereich ist durch einen Tiefhof geprägt, über den die gesamte Logistik für die Küche als auch für das gesamte Klinikum erfolgt, unterirdische Versorgungsgänge binden den Tiefhof an die Hausgruppen an. In einem 3. Bauabschnitt soll das Haus 21 durch einen Neubau ersetzt werden, der zusätzliche Funktionen der zentralen Patientenversorgung verschiedener medizinischer Kliniken aufnimmt. Mit Fertigstellung des 3. Bauabschnitts ist die Etablierung der äußeren Magistrale als zentrale Erschließungsachse zwischen Haus 23 und dem Neubau des 3. Bauabschnitts geplant.

Ausgangssituation / Anlass

Um den Patienten mit hämatologisch/onkologischen Erkrankungen im „Universitären Centrum für Tumorerkrankungen (UCT)“ des Klinikums der Goethe-Universität Frankfurt optimal zu betreuen, sind neben den einzelnen Fachdisziplinen auch zentrale Einrichtungen von wesentlicher Bedeutung. Vielen dieser Bereiche fehlt unter den augenblicklichen baulichen Gegebenheiten noch der Raum, um optimal zu funktionieren und Synergieeffekte in der gemeinsamen Arbeit nutzen zu können. In einem gemeinsamen Hämatologisch / Onkologischen Zentrum des UCT sollen deshalb diese Bereiche in einem gemeinsamen Gebäude zusammengeführt werden. Hierzu gehört ein Zentrum für Jugendliche und junge Erwachsene mit Krebserkrankungen (AYA, Adolescents and Young Adults), durch dessen Gründung die ambulante und stationäre Versorgung der Patienten zwischen 15 und 30 Jahren medizinisch und psychosozial optimiert werden kann. Synergien werden hierbei ganz speziell mit dem im Gebäude ebenfalls angesiedelten Zentralen Psychoonkologischen Dienst des UCT möglich, der inklusive der Therapie- und Sporteinrichtungen ebenfalls hier einen angemessenen Platz finden wird. Für Neuentwicklungen in der Therapie onkologischer Erkrankungen werden im Hämatologisch / Onkologischen Zentrum zur Durchführung von Therapiestudien die Studienzentrale und die Studienambulanz untergebracht. Darüber hinaus ist es uns ein wesentliches Anliegen, Patienten auch in der letzten Phase ihres Lebens angemessen begleiten und medizinisch versorgen zu können. Deshalb wird im Onkologischen Zentrum auch eine Palliativstation mit enger Anbindung an die Möglichkeiten des Psychosozialen Dienstes ihren gebührenden Raum finden. Um sich den Herausforderungen in der Behandlung und Versorgung von Jugendlichen und jungen Erwachsenen angemessen zu stellen und für diese Altersgruppe eine bestmögliche Versorgung und Behandlung zu etablieren und kontinuierlich weiterzuentwickeln, ist es geplant das Frankfurter Hämatologische und Onkologische Zentrum zu gründen.

Bestandteil dieser Einrichtung sind wie bereits erwähnt:

  • der psycho-onkologische Dienst
  • das Frankfurter Zentrum für Jugendliche und junge Erwachsene mit Krebserkrankungen
  • die Ambulanz für Jugendliche und junge Erwachsene mit Krebserkrankungen
  • die Palliativstation für Krebserkrankungen
  • die Studienambulanz, Studienzentrale und Studienlabore

Sowohl die zentrale Lage des Tiefhofs mit Küchen und Mensabereich zum Kernbereich der Patientenversorgung als auch der Umstand der geplanten Sanierung und Umstrukturierung von Küchen- und Mensabereich lassen diesen Standort als günstig erscheinen.

Städtebauliche Konzeption

Als Grundlage für die städtebauliche Konzeption wurde das derzeitige Entwicklungsszenario in den geplanten unterschiedlichen Bauabschnitten angenommen. Ziel des Entwurfes ist es, das neue Hämatologische und Onkologische Zentrum im Kernbereich der Patientenversorgung zu positionieren, um eine patientenfreundliche Anbindung zu erreichen. Gleichzeitig ist es Ziel, die derzeit im Haus 35 untergebrachte Mensa von allen weiteren Funktionen zu lösen und eigenständig bzw. zeitgemäß in Erscheinung treten zu lassen. Durch die Überbauung des jetzigen Tiefhofes / Wirtschaftshofs wird es ermöglicht, zusätzlichen Raum für eine Bebauung in Angrenzung an den Kernbereich der Patientenversorgung zu schaffen. Gleichzeitig erhält die Magistrale als zentrales Erschließungselement einen Abschluss durch eine neu geschaffene Platzsituation, die durch den Bestand Haus 33, die neu positionierte Mensa und das Onkologische Zentrum gefasst ist. Die Gebäudeflucht des Hämatologischen und Onkologischen Zentrums orientiert sich dabei an der Bestandsbebauung der Haupterschließungsstraße. Der überbaute Tiefhof wird weiterhin als zentrale Andienung für die gesamte Warenwirtschaft von Küche und Klinikum beibehalten und ermöglicht durch die Überbauung einen witterungsunabhängigen Betrieb. Die im derzeitigen Betrieb vorhandene Küche für die Patientenversorgung im Erdgeschoss wird in das Untergeschoss verlegt, so dass ein direkter Wareneingang und Warenausgang ermöglicht wird. Weiterhin wird durch die Lage des Onkologiezentrums ein unmittelbarer Bezug zu Haus 33, Leitung med. Klinik II, und Haus 32, Leitung Zentrum für Kinder- und Jugendmedizin, hergestellt. Bei der Gestaltung des neu geordneten Ensembles wird zwischen zwei Bereichen unterschieden, die in Ausformulierung und Material stark differenzieren. Der auf das Untergeschoss und Tiefhof aufgesetzte „Deckel“ stellt sich als gebautes Landschaftsbild mit klinikinternen bzw. -dienenden Funktionen wie Küche, Mensa, Cafeteria etc. dar, das Onkologische Zentrum legt sich als selbstbewusster, eigenständiger Bau auf und hebt sich bewusst in Formensprache und Materialität ab.

Gebäudekonzept Hämatologisches und Onkologisches Zentrum

Als eine interdisziplinäre Einrichtung der kinderärztlichen - internistischen - und psychosozialen Betreuung und Versorgung vereint die Einrichtung zum einen eine optimierte und bedürfnisgerechte medizinische Versorgung, zum anderen eine psychosoziale Betreuung, welche die Jugendlichen und jungen Erwachsenen in ihrer speziellen Lebensphase des Aufbruchs und der Selbstfindung während ihrer schwerwiegenden und lebensbedrohlichen Erkrankung begleitet. Während die medizinische Versorgung als eine selbstverständliche Assoziation während eines Klinikaufenthalts betrachtet wird, kommt der psychosozialen Betreuung ein eher außergewöhnlicher Aspekt zu, der gewährleistet, die Lebensqualität und Zukunftsperspektiven der jungen Patienten während ihrer Krankheit optimal zu gestalten. Grundlage und Zielsetzung des Entwurfes ist es, diese Komponente baulich und gestalterisch herauszustellen und den Patienten ein adäquates Umfeld zu schaffen. Im Einzelnen bedeutet dies ein Angebot von Räumen zu schaffen, die unterschiedliche Therapieangebote, die Weiterführung von Aus- und Fortbildung sowie Aufenthalt und Entspannung ermöglichen. Überführung der assozierten Motive in raumbildende Elemente die Funktionen der psychosozialen Betreuung und Sonderfunktionen aufnehmen. Die angebotenen Raumsituationen orientieren sich an den Bedürfnissen und Therapieangeboten und umfassen verschiedene Bereiche mit unterschiedlichen Funktionen, die als Kommunikationsbereiche angesehen werden wie z.B.

  • Haupterschließung und Eingangsbereich
  • Empfangs- und Wartebereiche
  • Bibliothek mit Internetzugang als offenes, in die Verkehrszonen eingestelltes Raumelement
  • „Wohnzimmer“ mit flexibler Sitzgelegenheit zum Entspannen und Musikhören als abgeschlossener Raum
  • Therapiebereich mit unterschiedlichem Therapieangebot wie Musiktherapie, Kreativangeboten gleichzeitig nutzbar als Multifunktionsraum als geschlossener Raum
  • Funktionsraum zur Weiterführung von Aus- und Weiterbildung, sowie die Durchführung von Einzel- und Beratungsgesprächen mit Ärzten und Therapeuten wie auch für den Pflegebereich

Konzeption Mensabereich und 'cook-and-chill-Küche'

Die durch die Überbauung des Tiefhofes neu geschaffene Fläche dient als Standort für ein eigenständiges Mensagebäude, das sich von seiner Ausformulierung und Gestalt in das neu geschaffene Bild der gebauten Landschaft integriert. Die Hauptausrichtung der Mensa mit ihrem Eingangsbereich orientiert sich zu der neu geschaffenen Platzsituation. Das zwei Geschosse besitzende Gebäude beinhaltet im Erdgeschoss einen großzügigen Foyerbereich, mit angrenzender Cafeteria, einen Essbereich für Gäste und Veranstaltungen sowie eine ausreichende Anzahl der erforderlichen Sozialräume und Lagerflächen. Im Obergeschoss befindet sich der eigentliche Mensabereich mit angegliedertem „cook and serve Bereich“ mit den für Mensabetrieb erforderlichen Lagerflächen. Der für die gesamte Patientenversorgung notwendige „cook and chill Bereich“ mit Produktion und erforderlichen Lagerflächen befindet sich im Untergeschoss und ist über einen Lastenaufzug und eine Treppenverbindung mit dem Mensabereich verbunden. Die gesamte Andienung und Bewirtschaftung beider Bereiche erfolgt weiterhin über den nun überbauten Tiefhof, so dass eine witterungsunabhängige An- und Ablieferung der Warenwirtschaft erfolgen kann. Zusätzlich zur „cook and chill Küche“ sind im Untergeschoss verschiedene Logistikbereiche zur Versorgung des Klinikums untergebracht, die über die bestehenden Versorgungsgänge an das Klinikum angebunden sind.