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Eltern-Kind-Zentrum
Universitätsklinikum Frankfurt

Frankfurt
ab 2017
im Bau
Gesundheit

Allgemeines / Veranlassung

Im Zuge der diversen Maßnahmen des Masterplans, der eine Zentralisierung der wesentlichen Teile der Krankenversorgung im Kerngelände ermöglichen soll, wird das gesamte Gelände umstrukturiert und verdichtet. Ein weiterer zukunftsweisender Baustein innerhalb des Masterplans im Bereich des Kerngeländes des Universitätsklinikums ist der Neubau eines Eltern-Kind-Zentrums.

Die Erfordernisse an einen modernen universitären Krankenhausbetrieb im Bereich der Kinderklinik sind in den derzeitigen räumlichen Zusammenhängen nur schwer darstellbar. Auch lassen sich im Weiteren die Anforderungen der Neonatologie an die aktuellen Hygienerichtlinien sowie der Wille des Landes Hessen nach Bildung von 5 bis 6 Zentren für Neonatologie - Level 1, in dem derzeitigen Standort Haus 14 nicht darstellen. Auf Grundlage dieser Sachverhalte wurde durch den Aufsichtsrat sowie den Vorstand des Universitätsklinikums der Beschluss zum Neubau eines Eltern-Kind-Zentrums getroffen, der eine Zusammenlegung der neonatalen Stationen, des Kreißsaals- und OP-Bereiches, der Geburtshilfe sowie der Ambulanzen der Kinderklinik vorsieht.

Als Zielsetzung wurden dabei folgende Aspekte formuliert:

  • Realisieren moderner Behandlungs- und Betreuungskonzepte für Eltern und Kinder
  • Zentralisieren und Ergänzen von OP-Kapazitäten im Bereich Kinderklinik
  • Optimieren der Versorgungsstrukturen der Neonatologie
  • Unterstützen der fach- und berufsgruppen übergreifenden Zusammenarbeit
  • Optimieren der Patientenprozesse und der Wirtschaftlichkeit

Neben der Funktionalität streben die Nutzer eine kindgerechte Unterbringung und Pflege, sowie eine Atmosphäre an, in der sich auch Familien und Angehörige wohl fühlen. Die Architektur des Neubaus soll diese inhaltlichen Ziele unterstützen. Insgesamt beträgt die Hauptnutzfläche des Eltern-Kind-Zentrums ca. 4.900,00 m2.

Lage / Baufeld

Um die angestrebten Synergien und Verbesserungen zu erreichen, ist ein unmittelbarer Anschluß an die bestehende Kinderklinik, Haus 32 unbedingt notwendig. Durch die Lage der Kinderklinik und die im Laufe der letzten Jahre errichteten Zubauten bieten sich jedoch nur eingeschränkte Möglichkeiten zum Neubau des Eltern-Kind-Zentrums.

 

Städtebauliche Einordnung / Konzeption

Als Grundlage für die städtebauliche Einbindung wurde das derzeitige Entwicklungsszenario in den geplanten unterschiedlichen Bauabschnitten angenommen, dabei wird der Neubau des Eltern-Kind-Zentrums als Weiterentwicklung und Ergänzung des Ensembles Haus 35 verstanden. Bei der vorgefundenen bestehenden Bebauung des Kerngeländes des Universitätsklinikums handelt es sich um größtenteils Nord-Süd orientierte Baukörper, die einer orthogonalen Grundausrichtung folgen. Entlang der Bahnstrecke löst sich diese Orientierung auf und die Anordnung und Gebäudegeometrie reagiert auf die markante Zäsur des Bahndamms.

 

Die Anordnung und Geometrie des Neubaus Eltern-Kind-Zentrum werden im wesentlichen von den vorgegebenen Anforderungen sowie aus den maßgeblich formbildenden Icons des Baufeldes entwickelt.

 

Zur Erlangung der angestrebten funktionalen Zusammenhänge benötigt das Eltern-Kind-Zentrum eine Grundfläche von ca. 2.250 m2 Bruttogrundfläche. Ergänzend zu der erforderlichen Grundfläche ist weiterhin die Anbindung an die bestehende Kinderklinik notwendig, da übergreifende funktionale Ambulanz- und Stationsbereiche für den Betrieb des Eltern-Kind-Zentrums erforderlich sind, wie auch eine Anbindung an den neu errichteten Campusplatz. Die im Baufeld vorhandene Versorgungsstation mit ihren umliegenden Versorgungskanälen stellt durch eine nur eingeschränkte Überbaubarkeit ein wesentliches Entwicklungsmerkmal dar.

 

 

Funktionsbereiche

Untergeschoss

Die Differenzierung des Untergeschosses erfolgt in zwei Bereichen - Technikzentrale / Installationskeller. In den als Technikzentrale bezeichneten Bereichen sind sämtliche technischen und infrastrukturellen Anschlüsse und Versorgungsleitungen untergebracht. 

Erdgeschoss – Ambulanz Geburtshilfe und Pränatalmedizin

Die Ambulanz Geburtshilfe und Pränatalmedizin bietet eine hoch spezialisierte interdisziplinäre Betreuung für Eltern und Kind in allen Fragen der Schwangerschaft, der Geburt und des Wochenbettes. Zentrale Anlaufstelle der Ambulanz und der sonstigen im Hause befindlichen Geburtshilfebereiche ist der Empfang, mit angegliedertem Back-Office, Patientenaufnahme und Wartebereich. 

1. Obergeschoss - Pflegestation - Geburtshilfe

Im ersten Obergeschoss ist über die gesamte Fläche die Pflegestation der Geburtshilfe mit insgesamt 47 Betten angeordnet. Diese teilen sich in eine unterschiedliche Anzahl von Zweibett-, Einzel- und Familienzimmer auf. 

2. Obergeschoss - Neonatologie ICU + Nachsorge

Im gesamten zweiten Obergeschoss befindet sich die Station für die Behandlung der Frühgeborenen und der kranken Neugeborenen (Neonatologie ICU) und deren Nachsorge.

Zusammen mit dem Schwerpunkt Geburtshilfe und Pränatalmedizin des Zentrums für Frauenheilkunde und Geburtshilfe bildet der Schwerpunkt Neonatologie das Perinatalzentrum der Universitätsklinik. Es entspricht den Anforderungen für die höchste Versorgungsstufe (Level 1).

3. Obergeschoss - Kreißsaal

Der Kreißsaal umfasst 4 Gebärzimmer, 3 Wehenzimmer und 2 ambulante CTG-Plätze. Darüber hinaus stehen 2 Badewannen für Entspannungsbäder und Geburten zu Verfügung.

Im 24-Stundenbetrieb steht ein Team von 2 Hebammen, einem Kreißsaalarzt/-ärztin und einem Oberarzt/-ärztin bereit.

3. Obergeschoss – Operationszentrum

Im Operationszentrum stehen insgesamt 4 Operationssäle mit folgender Differenzierung zur Verfügung:

  • Sektio-OP / 24 Stundenbetrieb als Notfall-OP Geburtshilfe
  • 3 Kinderchirurgische OP-Säle / Tagesbetrieb für geplante Eingriffe der gesamten Kinderklinik 

Dachgeschoss – Umkleiden / Bereitschaftsräume – Technikzentralen

Im obersten Geschoss (Technikgeschoss) befinden sich neben den notwendigen raumlufttechnischen Anlagen, auch die Umkleideräume zu den darunter liegenden OP-Räumen mit direkter Anbindung zu dem reinen Bereich, sowie die Bereitschaftsräume des Notfallteams Sectio-OP.

Konstruktion / Oberflächen und Materialien Aussenfassade

Um eine zeitnahe Inbetriebnahme des Eltern-Kind-Zentrums sicherzustellen, ist die Herstellung des Gebäudes als Systemmodulbau geplant. Das geplante Gebäude wird aus vorgefertigten Raummodulen hergestellt, die aus einer Rahmenkonstruktion mit den für den jeweiligen Raum bzw. die Raumgruppe erforderlichen Bauteilen wie Decken, Dach, Aussen- und Innenwänden, sowie den darin vormontierten Installationen der Gebäudetechnik bestehen. Die Ausgestaltung der Fassaden bzw. das Erscheinungsbild des Baukörpers erfolgt dabei in konventioneller Bauweise.

Aussenfassaden

Aus dem Verständnis der Weiterentwicklung und Ergänzung des Ensembles Haus 35 wird der im Kantinengebäude ausgeführte Sockel weitergeführt. Dabei wird sowohl das Material wie auch die Gliederung von Fassadenöffnungen übernommen.

Motiv / Gestaltungskonzeption

Das gestaltprägende Motiv der Fassade im 2. und 3. Obergeschoss wurde insbesondere aus der Schutzbedürftigkeit der dahinterliegenden Funktionsbereiche entwickelt. Weiterhin wurden die folgende Themenbereiche als zusätzliche Grundlage der Fassadenentwicklung betrachtet:

 

 

Gestaltungsanforderungen Lage Bahntrasse

Durch die exponierte Lage an den Bahnstrecken 3600 und 3601mit ca. 250 regionalen Personenzug- und ca. 180 überregionalen ICE – Bewegungen erhält die Fassade des Eltern-Kind-Zentrums eine hohe Präsenz und wird als signifikantes Gebäude des Universitätsklinikums wahrgenommen.

Vereinheitlichung / Homogenisierung Erscheinungsbild der Fassade

Innerhalb der Funktionsbereiche Neonatologie und OP-Bereich sind eine Vielzahl von unterschiedlichen Räumen mit differenzierten Anforderungen an die natürliche Belichtung vorhanden, sodaß in großen Teilbereichen kein definiertes Fassadenbild im Hinblick auf die Fensteröffnungen möglich ist. Um dieser Erscheinung entgegen zu wirken, wird die nachfolgend beschriebene Fassade als vorgelagerte Ebene eingesetzt, um ein homogenes Fassadenbild zu erreichen.

Technische Anforderung und Funktion

Um einen störungsfreien Ablauf auch bei Instandsetzungs-, Revisions- und Reinigungsarbeiten der Fassade in den Funktionsbereichen der Neonatologie und des OP-Bereiches zu gewährleisten wurde in einer frühen Planungsphase entschieden sämtliche dieser Tätigkeiten über einen außen angelagerten begehbaren Wartungsgang durchzuführen. Dabei übernimmt die nachfolgend beschriebene Fassade die Funktion der Absturzsicherung des Wartungsgangs, bzw. der Wartungsgang die Unterkonstruktion der vorgehängten Fassade.

Technische Umsetzung und Material

Fassade aus Aluminiumblech mit ineinander verflochtenen Streifen

  • Material: 4 mm Aluminium – Breite der Fassadenstreifen: 80/100/150/250 mm
  • Fassadenabschluss unten: Aluminium Kastenpaneel, 5-fach gekantet, Ansichtshöhe ca. 600 mm, d= 2mm
  • Oberfläche: bandbeschichtet und foliert (beidseitig), Farbton nach RAL/NCS – Schnittkanten Alu-Natur

MONTAGESCHEMA



Der Fassadenaufbau erfolgt in vier Montagelagen, bezeichnet als Montagelage: A / B / C / D. Die Höhenposition der einzelnen Lagen sind je Knoten / Befestigungspunkt im Rahmen der weiteren Planung noch festzulegen.

Im Zuge der Montage der einzelnen Lagen wird durch die verschieden bezeichneten Höhenpositionen ( 0 / 1 / 2 / 3 ) eine Verflechtung der Streifenfassade ermöglicht. Zur Erhöhung der plastischen Wirkung der Verflechtungen werden an den Knoten- bzw. Befestigungspunkten EPDM-Scheiben als Distanzelemente zwischen den sich überlagernden Aluminiumstreifen mit einer Tiefe von ca. 40 mm und einem Durchmesser von ca. 60 mm eingesetzt. Die Anordnung der Montagelagen orientiert sich an dem vorhandenen Gebäuderaster und ist so konzipiert, dass sich die Geometrie und Anordnungen feldweise wiederholen. Abmessungen der einzelnen Felder: Breite x Höhe = ca. 8.100 x 10.900 mm.