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KJP Bezirksklinikum Regensburg

Klinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie, Psychosomatik und Psychotherapie 
Regensburg
2013 - 2017
fertiggestellt
Gesundheit, Wohnen

Ausgangssituation

Die Klinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie, Psychosomatik und Psychotherapie bietet Diagnostik und Behandlung aller kinder- und jugendpsychiatrischen Krankheiten, Entwicklungsstörungen, Lern- und Leistungsstörungen und Verhaltensauffälligkeiten sowie anschließender Krisenintervention.

Es werden Kinder ab drei Jahren und Jugendliche bis zum Erreichen der Volljährigkeit, in Ausnahmefällen auch bis zum 21. Lebensjahr behandelt. Das stationäre Angebot befindet sich am Bezirksklinikum Regensburg.

Die Kinder und Jugendlichen, die tagesklinisch oder vollstationär behandelt werden, werden in kleinen Klassenverbänden in enger Abstimmung mit der klinischen Therapie unterrichtet.

Städtebauliche Situation / Ausrichtung

In der städtebaulichen Gliederung des Bezirksklinikums, lassen sich zwei Hauptausrichtungen der Gebäudestrukturen erkennen, welche durch die Magistrale, die klinikinterne Haupterschließungsachse, voneinander getrennt sind. Lediglich die Verwaltung / Schulgebäude und das zu bearbeitene Gebäude der Kinder- und Jugendpsychiatrie ordnen sich keiner dieser Strukturen zu.

Darüber hinaus fehlt der Magistrale, durch das Bezirksklinikum vom Haupteingang aus kommend, ein klares Ende. Innerhalb des Gesamtensembles der Bezirksklinik war die Kinder- und Jugendpsychiatrie am westlichsten Rand sehr versteckt und präsentierte sich nur unzureichend als Teil des Gesamtklinikums.

Das Haus 25 orientiert sich in seiner Lage und Ausrichtung in westliche Richtung, am Verlauf der angrenzenden Vitusstraße. Von hier aus ist das Bestandsgebäude der Kinder und Jugendpsychiatrie erschlossen und als markantes Gebäude ersichtlich. Unser Entwurf sah vor, den Bestand durch einen Stationsneubau mit drei Stationen zu ergänzen und die vorhandene Bestandsstruktur von Haus 25 vollständig zu belassen und weiter zu nutzen.

Der dreigeschossige Stationsneubau orientiert sich an dem vorhandenen Bestand und verstärkt den Solitärcharakter der Kinder- und Jugendpsychiatrie.

Eine Neuausrichtung in südlicher Richtung war sinnvoll, um zukünftigen Bauaktivitäten und Veränderungen auf dem nördlich angrenzenden Areal nicht im Wege zu stehen. Das Klinikgebäude wurde vollständig über den Haupteingang von Klinikseite ver- und entsorgt, was zu Kollisionen mit Besucher- und Patientenverkehr führte und auch die Freiflächen in ihren Aufenthaltsqualitäten beschnitt. Um dieses Defizit zu beheben, wurde zwischen dem Schulgebäude Haus 28 und der bestehenden KJP eine neue Zufahrt geplant, über die sowohl der Bestand als auch der Stationsneubau konfliktfrei ver- und entsorgt wird.

Gebäudestruktur / Funktionsbereiche

Bestand

In Abstimmung mit der medbo, der Bezirksregierung Oberpfalz und dem bayerischen Staatsministerium für Umwelt und Gesundheit wurde festgelegt, den Gebäudebestand der Kinder- und Jugendpsychiatrie vollständig zu erhalten. Als neue Funktion in den freigewordenen Bereichen nimmt der Bestand nach der Strukturverbesserung die drei Tageskliniken, den gesamten Therapiebereich sowie die Verwaltung auf. Diese wurden als eigenständige Nutzungseinheiten innerhalb der Gebäudeteile A und C etabliert. Bei dem Eingriff in diese Bereiche wurde die vorgefundene Substanz zum größten Teil genutzt und nur in Teilbereichen an die neuen Erfordernisse angepasst.

Das im Bestand befindliche Treppenhaus des Zwischenbaus leistete weder die entsprechenden Brandschutzanforderungen, noch schaffte es als Eingangstreppenhaus den Übergang für den neuen Stationsneubau. Aus diesem Grund wurde das bestehende Treppenhaus vollständig rückgebaut und außerhalb der Bestandskubatur als eigenständiges Bauwerk neu errichtet, um eine klare bauliche Orientierung und Wegeführung für die Patienten- und Besucherströme zu dem Stationsneubau herzustellen.

Die Anbindung an die neu geschaffene Erschließungsstraße sieht eine optionale Trennung der Ver- und Entsorgung von der öffentlichen Zuwegung vor. Vom Souterraingeschoss des nördlichen Bestandgebäudes wurde der Neubau mit einer Tunnelanbindung ebenso angedient. 

Stationsneubau


Das neue Bauvolumen der drei Stationen erstreckt sich hinter dem Bestandsgebäude in süd-östlicher Richtung. Die funktionale Aufteilung sieht je eine Station pro Ebene des Baukörpers vor.

  • Untergeschoss:


    Technikzentralen und Tunnelanbindung an Bestand zur Ver- und Entsorgung

  • Erdgeschoss:


    Station A – Kinderstation für 6 bis 12 jährige – 12 Betten

  • 1.Obergeschoss:

    Station B – Jugendlichestation für 13 bis 18 jährige – 16 Betten, geführt in zwei Gruppen

  • 2.Obergeschoss:

    Station C – Jugendlichestation für 13 bis 18 jährige – 12 Betten, geführt in zwei Gruppen mit Akutstation

Die Anbindung des Neubaus aus dem Bestand erfolgt mittig von Norden, in den L-förmig geknickten Baukörper, der konventionell als Massivbau ausgeführt wurde. So ergeben sich aus der unmittelbaren Nähe zum Bestand, den angrenzenden Freiflächen und der Himmelsausrichtung klare Zonierungen der Funktionsbereiche in den Stationen. Die mittige Erschließung ermöglicht eine einfache Orientierung und direkte Wegeführung, sowie die Unterteilung der Stationen in je zwei gleichgroße Gruppen, oder wie im 2. Obergeschoß zum geschleusten Bereich der Krisenintervention von Station C.

In der Mitte der Grundrissebenen befindet sich immer der zentrale Pflegestützpunkt mit angegliedertem Time-out Raum und je einem direkt einsehbaren Überwachungszimmer. Alle Patientenzimmer orientieren sich zum großzügigen Gartenbereich in Richtung Südost bzw. Ost. Die Therapie und Aufenthaltsräume befinden sich gerichtet zum intensiv genutzten Bereich der Außenanlagen auf der Westseite.

Grünflächen und Außenräume

Den Grünflächen und Außenräumen kommt in der Therapie psychischer Erkrankungen eine besondere Bedeutung zu. Durch eine starke Differenzierung der zur Kinder- und Jugendpsychiatrie gehörigen Außenflächen entstanden unterschiedlichste Aufenthaltsqualitäten, die auch für Therapiezwecke genutzt werden können. Zwischen den Gebäuden wurde eine besonders intensiv zu bespielende und nutzbar gestaltete Filterzone gebaut. Hier befinden sich vielfältige Ruhezonen und Spielflächen,die durch unterschiedlich thematisch bepflanzte Hochbeete und baulich gestalteten Aussenraumelemente gefasst werden. Die Filterzone bietet auch Raum für übergreifende Nutzungen zwischen der Kinder- und Jugendpsychiatrie und dem Gesamtklinikum. Es entand ein ansprechendes Umfeld mit Gartencharakter und hoher Aufenthaltsqualität.