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Klinik für Psychiatrie und Psychotheraphie
Eltville

Klinikum Vitos Rheingau
Eltville
2018
Wettbewerb / 3.Preis
Wohnen, Gesundheit

Ausgangssituation und Aufgabenstellung

Die Vitos Rheingau, als Träger dreier psychiatrischer Fachkliniken, plant zur Sicherstellung der Gesundheitsversorgung im Bereich der Erwachsenenpsychiatrie, die bauliche Weiterentwicklung des Krankenhausareals am Standort Eltville. Das unmittelbar zum Kloster Eberbach angrenzende Krankenhausareal am Standort Eltville besteht aus einem zum Großteil denkmalgeschützten Ensemble mit Einzelkulturdenkmalstatus nach hessischem Denkmalschutzgesetz. Eine bereits 2013 durchgeführte Vorplanung, die eine Verortung des Neubaus der Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie im Zentrum des historischen Ensembles vorsah, wurde aus Gründen des Denkmalschutzes  verworfen, da dies als substanzieller Verlust der Gesamterscheinung angesehen wurde.

Ziel der städtebaulichen Machbarkeitsstudie ist das Aufzeigen von Lösungsansätzen zur Verortung eines Klinikneubaus unter Berücksichtigung der funktionalen Erfordernisse an einen zeitgemäßen Klinikbetrieb und Einbindung der im Bestand befindlichen bereits vorhandenen Funktionsbereiche.

Planungs und Baurecht

Für das zu beplanende Gebiet existiert der gültige Bebauungsplan „Eichberg Erbach“ der sowohl das denkmalgeschützte Kernareal, sowie das darüber liegende nördliche Gelände als Sondergebiet Klinik ausweist. Der östlich außerhalb der Umgrenzung des Denkmalschutzes gelegene Bereich unterliegt nicht dem Sondergebiet Klinik. Dort befinden sich derzeit Wohngebäude in unterschiedlich großen Volumen.

Weiterhin ist dieser Bereich als Fläche für die Wasserwirtschaft ausgewiesen, der Grad der Schutzzone ist dabei nicht erkennbar. Für einen Klinikneubau in diesem Bereich ist aller Voraussicht eine Anpassung des Bebauungsplans notwendig. Sämtlich eingetragene Baugrenzen orientieren sich an der im Bestand vorgefundenen Bebauung und weisen kein Areal für den Neubau eines Klinikgebäudes aus.

Städtebauliche Analyse und Herangehensweise

Die Ergebnisse der Analyse des vorgefundenen landschaftsprägenden Ensembles unter den Aspekten:

  • Bauliche Entwicklung
  • Landschaftselemente und Vegetation
  • Wegeführung
  • Topographie

wurden in Verbindung mit dem durch den Auslober zur Verfügung gestelltem Raumprogramm für den Betrieb der Klink für Psychiatrie und Psychotherapie als Grundlage zur Lokalisierung möglicher Baufelder herangezogen.

Das in der Auslobung vorgelegte Raumprogramm fordert für den Betrieb zweier Stationen auf einer Ebene eine Hauptnutzfläche von ca. 1.338 m2. Unter Zugrundelegung eines Faktors von 1,8 als Verhältnis HNF zu BGF entsteht die Anforderung einer zusammenhängenden Fläche von ca. 2.400 m2Bruttogeschossfläche - BGF, die es gilt als „Footprint“ in die Gesamtanlage zu integrieren. Insgesamt wurden sechs aus Sicht des Entwurfsverfassers mögliche Baufelder in dem ausgewiesen Grundstücksbereich sowohl innerhalb, als auch außerhalb der Umgrenzung des denkmalgeschützten Sachgesamtheit untersucht:

  • Baufeld A - Vorgelagerter Weinberg
  • Baufeld B - Bebauungsvorschlag Vitos
  • Baufeld C - Integration in Kernensemble der ersten Bauphase
  • Baufeld D - Positionierung im nördlich begrenzenden Wald
  • Baufeld E - nördlicher Sportplatz
  • Baufeld F - östlich gelegene Wohnbebauung

 

Die Bewertung der einzelnen Baufelder erfolgte dabei unter den folgenden Aspekten:

    • Integration und Erhalt denkmalgeschützter Bausubstanz
    • Erhalt Baumbestand / Geländetopographie
    • Fernwirkung aus der Rheinebene

    • Wegeführung, Orientierung und Erreichbarkeit von Patient und Besucher

    • Einbindung der vorhanden Funktionsbereiche der Erwachsenenpsychiatrie

    • Innere Bezüge - Stärkung des Kernbereiches

    • Logistik und Störungen während der Bauzeit

Auswahl Baufeld - Fazit

 In der 2013 gefertigten Machbarkeitsstudie wurde folgendes Fazit im Bezug auf die historische Entwicklung der Klinikareals getroffen: „Die Anlage passt sich in ihrer Geschichte immer wieder den zeitgenössischen medizinischen, wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Anforderungen an! Sie bewahrt sich dabei jedoch ihre ursprüngliche Identität.“

Nach Abwägung aller Vor- und Nachteile der untersuchten Baufelder, lässt sich nach Auffassung des Entwurfverfassers, die Anpassung an einen zeitgemäßen Klinikbetrieb durch Ergänzung eines großvolumigen Klinikneubaus, nur als ergänzendes Element außerhalb der denkmalgeschützten Sachgesamtheit realisieren. Dabei bietet das untersuchte Baufeld F - Wohnquartier nach dem Verständnis der gesetzten Wertungskriterien die besten Voraussetzungen für die Realisierung eines Klinikneubaus dieser Größenordnung:

  • vollständiger Erhalt der historischen Bausubstanz und Baubestandes
  • Additives Element der Gesamtanlage in der Fernwirkung
  • Direkte Anbindung an den Kernbereich für Patient und Besucher
  • Stärkung des Kernbereiches durch Umnutzung der Wäscherei, als Psychologische Institutsambulanz und Therapiezentrum - Bindeglied zwischen bestehenden Funktionen und Neubau der Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie 
      • Optimale Anbindung an die interne Ver- und Entsorgung

      • Störungsfreier Bauablauf durch mögliche Baustellenlogistik über im Bestand vorhandenen Zuweg

Weiterhin ergibt sich durch dieses Konzept eine weitere Fläche, um durch Neubauten das Areal weiterhin an einen modernen zeitgemäßen Klinikbetrieb anzupassen. Der sich ergebende Nachteil des Verlusts von Wohnraum durch den Rückbau, kann durch modern interpretierte, als Pavillons ausformulierte Neubauten und die Nutzung von Bestandsflächen kompensiert werden. Welche Flächen für diese Maßnahmen in Frage kommen, sollte in weiterführenden Untersuchungen überprüft werden. Um die Belastung des Gesamtareals durch parkende Fahrzeuge von Mitarbeitern und Besuchern zu reduzieren, wird ebenfalls vorgeschlagen, einen zentralen Parkplatz unterhalb des geplanten Neubaus mit ca. 100 Stellplätzen zu errichten. Die Höhenentwicklung des neu errichteten Baukörpers orientiert sich an dem vorgefundenen Gesamtensemble und ordnet sich den Gebäuden in der Zentralachse unter. Dabei akzentuiert die Überhöhung des außenliegenden Gebäudeteils den Abschluss der Gesamtanlage.

 

 

Gebäudekonzept

Die erforderliche Gesamtfläche (BGF) zur Aufnahme von zwei Pflegestationen beträgt 2,400 m2. Der hohe Anteil beichtbarer Flächen führt zu der Vergrößerung der Belichtungsoberfläche durch Integration geschützter Innenhöfe. Die drei notwendigen Erschließungskerne sind zueinander versetzt. Die Abstufung ermöglicht die punktaxiale Orientierung der Stationen. Der sich im Nord-Westen befindliche Erschießungskern fängt - gegeben durch die starke Hanglage - erst im 1. Obergeschoss an, während der Kern im Süd-Osten alle Geschosse erschließt.

Die gegenläufige Verschiebung der Hauptbaukörper A + B ergeben einen sich zur Wäscherei öffnenden Vorplatz, der zudem den mittleren Treppenraum im Treffpunkt beider Gebäudevolumen sich als Haupterschließung ausweist. Es entstehen zwei sich im Zentrum treffende Umläufe, die die eigenständig funktionierenden Stationen beherbergen. Um beiden Volumen in der Fassade deutlicher von einander abzugrenzen, erhält der Gebäudeteil B eine Überhöhung, die gleichzeitig im städtebaulichen Kontext den Endpunkt des Gesamtareals markiert.

Das Sockelgeschoss EG BT-A wird auf die im Bestand vorhandenen Gebäudelinien ausgerichtet, um den Neubau in den das Gesamtensemble des Bestandes mit einzugliedern. Die Wäscherei dient hier als städtebauliches Bindeglied der bestehenden funktionalen Einheiten des Bestandes und dem neu errichteten Stationen. Die bestehende Geländetopographie im gesamten Areal - die ein Spiel aus Steilhängen und Plateau beinhaltet - wird übernommen und dient der Ausformulierung der Außenbereiche.

 

Zur Stärkung der Bausteins als Bindeglied erhält die Wäscherei die übergeordneten Funktionsbereiche, der Psychologische Institutsambulanz und Therapiebereiche.

Der Regelgrundriss des Gebäudes gliedert sich in zwei gegenüberstehenden Stationen mit jeweils 24 Betten, die sich um eine zentrale Mittelzone anordnen. Diese Mittelzone beherbergt zum einen den Erschließungsbereich für Patienten und Besucher mit zentralem Stützpunkt, angegliederten Dienst-, Therapie- und Verwaltungsräume und weitere gemeinschaftlich genutzten Räumlichkeiten. Der sich im Norden angegliederte Bereich beinhaltet die privaten Patientenbereiche. Sämtliche Patientenzimmer sind Ost-West ausgerichtet. Die Gemeinschaftsbereiche der einzelnen Stationen befinden sich in der nördlichen und südlichen Gebäudespangen. Die talseitigen Aufenthaltsbereiche grenzen direkt die Loggia mit Blick auf das Rheintal. Die Erdgeschossstation als auch die Station im 1. Obergeschoss des Gebäudeteil A beherbergen zusätzlich einen geschützten Innenhof mit Aufenthaltsqualität. Alle Geschosse erhalten eine sich im Flur befindliche Aufenthaltszone, die sich dem Innenhof zuwendet. Die Ver- und Entsorgung, sowie die Technikzentralen befinden sich im unbelichteten Teil des Sockelgeschosses und ersetzen im Gebäudeteil A die Station. Der zum Bestand hin fluchtenden Sockelbereich im Westen beherbergt eine Zufahrt für die Anlieferung. Dieser geschlossene Gebäudeteil kennzeichnet gleichzeitig durch die zurückgesetzte Anordnung den geschützten Eingangsbereich.

 

Oberflächen und Materialien

Die vorgeschlagene Fassadengestaltung übernimmt Elemente des Bestandsensembles. Das gewählte Fassadenmaterial des Ziegelmauerwerks und des Kratzputzes findet sich in der Wäscherei als auch anderer Bestandsgebäude wieder. Das Erdgeschoss äußert sich als Ziegelmauerwerk, der analog zu den Bestandsbauten, dem Neubau einen massiven Sockel verleiht. Die horizontalen Linien, die sich aus dem Kratzputz des Bestands ablesen lassen, sind thematisch im Sockelbereich des Neubaus durch herausstehende Ziegelreihen im Klinkermauerwerk aufgegriffen. Die Elemente der Lochfassade sind als Aluminium-Fenster-Elemente, bestehend aus Festverglasung, Öffnungsflügel, textilem Sonnen- und Blendschutz mit eloxierter Oberfläche vorgesehen. Der Innenhof behält die äußere Fassadenstruktur bei, wandelt sich auf den übrigen drei Seiten zu einem durchlaufenden Glasband um. Dies wird durch niedrige Brüstungen mit Putzfassade Horizontal unterbrochen. Diese dienen teils im Flur und Patientenzimmern als Sitzflächen.