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Philosophicum
JGU Mainz

Mainz
2015 - 2016
fertiggestellt
Büro, Verwaltung, Bildung

Ausgangssituation

Das Kernstück des Masterplans ist die Ausbildung der sogenannten Campusallee, die sich durch den Hochschul-Campus in Ost-West-Richtung vom Forum Universitatis zur Mensa hin erstreckt. Das Philosophicum befindet sich etwas auf halber Strecke dieser neuen Magistrale unweit der geplanten neuen Mitte.

Der in der Machbarkeitsstudie entwickelte Gebäuderiegel grenzt mit seiner schmalen Südfassade an die Allee. Die bestehenden Gebäude, vis à vis über die neue Magistrale hinweg, weichen zu Gunsten einer neu zu gestaltenden Grünfläche. Die Verlängerung der erdgeschossigen Hörsaal-Spange des Bestands soll eine Verbindung zum Neubau schaffen.

Konzept

Um die Bedeutung der Campusallee zu stärken, wurde der Haupteingang südlich in die Fuge zwischen Bestand und Neubau verlegt, ebenfalls der Magistrale zugewandt. Da der Neubau als Verfügungsgebäude nicht unmittelbar der studentischen Nutzung zugedacht ist, ist auch eine Querung des Gebäudes von Nachteil, schafft Unruhe im Arbeitsalltag und die zwingende Notwendigkeit einer Zweiteilung der Geschossebene.

Der Vorbereich zwischen Magistrale und Haupteingang wurde als gestaltete Aufenthaltsfläche in behindertengerechter Neigung geplant. Die Neigung überwindet den Höhenversatz zu dem knapp 60 cm höher gelegenen Erdgeschoss-Niveau. Das Erdgeschoss des Neubaus befindet sich auf gleicher Ebene und schafft somit fließende Übergänge zu sämtlichen Gebäudeteilen des Philosophicums, ohne aufwendige und einschränkende Rampenkonstruktionen.

Grundrissorganisation

Durch die Verlegung des Haupteingangs ergaben sich Konsequenzen für die Grundrissstruktur des Neubaus. Am neuen Foyer legen sich Kernfunktionen wie Haupttreppe, Aufzug, Sanitärräume und Nebenräume an. Die alte Ausstattung des Gebäudes, mit einer Treppe als notwendiges Treppenhaus, erschien bei der vorgefundenen Anzahl der Arbeitsplätze unglaubwürdig. Aus diesem Grund wurde eine weitere notwendige Treppe am nördlichen Gebäudeende, in Ausrichtung auf das Hauptgebäude des Philosophicums etabliert.

Dies eröffnete die Möglichkeit, die Geschosse in zwei Nutzungseinheiten zu betreiben und so auch größere, offene Einheiten in dem Verfügungsgebäude zu schaffen bzw. Flurzonen mit Funktionsbereichen wie Kopiernischen, Garderoben, Lagerflächen etc. zu bestücken, ohne zusätzliche brandschutztechnische Auflagen erfüllen zu müssen.

Aus der kompakten Grundrissorganisation ergaben sich zusätzliche Arbeitsplätze. Eine genaue Aufteilung der Grundrisse erfolgte in Abstimmung mit dem Nutzer.

Fassade

Die Fassadengestaltung bestärkt den Neubau als Teil eines Ensembles mit dem Bestandsgebäude entlang der Campusallee. Das gewählte Fassadenmaterial der Keramiktafeln findet sich folgerichtig in Struktur und Farbe an den heraussgeschobenen Hörsaal-Kuben wieder und wird hierdurch als Reihung ablesbar. Eine Sanierung der Hörsaal-Fassaden war mit dem Material vergleichsweise einfach realisierbar und berücksichtigt Vorsprünge im Sockelbereich.

Die modulare Bauweise des Neubaus ließ die Wahl der Fassade nur mit Einschränkungen zu, was sowohl den Lastabtrag als auch systembedingte Bewegungsaufnahmen anbelangt. Die Keramiktafeln sind als homogenes mineralisches Material nachhaltig und recyclingfähig. In ihrem Erscheinungsbild und ihrer natürlichen Farbigkeit fügen sie sich gut in den umgebenden Materialienkanon ein. Keramikplatten sind aufgrund ihrer Homogenität und dem Oberflächenfinish höchst resistent gegen Vandalismus.

Die Fassadenelemente sind Aluminium-Fenster-Elemente, bestehend aus Festverglasung, Öffnungsflügel, textilem Sonnen- und Blendschutz sowie Verzögerungselement und eloxierter Oberfläche.

Der textile Sonnen- und Blendschutz ist schienengeführt, raumweise steuerbar und deckt nur das Fensterelement ab, so dass der vollständige Querschnitt des Lüftungselements zur Verfügung steht und eine Lüftung unabhängig von Sonnenschutz stattfinden kann bzw. auch noch ein Licht Sonneneinfall möglich ist. Das Verzögerungselement als vertikales Kantblechschott, das gestalterisch die einzelnen Fensterelemente separiert, verzögert überdies den frühzeitigen Einfall der aufgeheizten Südsonne.

Sonstiges

Der Anbau / Fuge an das Bestandgebäude, sowie die Bodenplatte des Systembaus wurden in konventioneller Bauweise hergestellt, um auf die Eigenheiten des Bestands reagieren zu können und um eine maximal transparente Fuge auszubilden, sowie einen ungestörten Ablauf der Errichtung mit der Anbindung Infrastruktur gewährleisten zu können. Zur Anbindung der Infrastruktur wurde im Bereich der Haupterschließung eine Teilunterkellerung mit Anbindung an Treppenhaus und Aufzug empfohlen.