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Psychiatriecampus
Universitätsklinikum Frankfurt

Frankfurt
2009 - 2017
fertiggestellt / in Planung
Gesundheit, Bildung

Historie

Klinik für Nerven- und Gemütskranke, mit Direktorenvilla, Martin Elsässer, erbaut 1929 bis 1931

Dass es besser sei, psychisch Kranke mit modernen Methoden zu behandeln, als sie einfach nur wegzusperren – diese Erkenntnis setzte sich zu Anfang des 20. Jahrhunderts durch und stand Pate beim Bau der neuen Klinik für Nerven­ und Gemütskranke. Der realisierte Entwurf von Martin Elsaesser erinnert im Grundriss an die Figur einer barocken Schlossanlage mit Ehrenhof. Der langgestreckte Hauptbau mit zentralem Eingang liegt etwas zurückversetzt parallel zur Straße. Zwei flachere, dynamisch abge­rundete Flügelbauten, der rechte enthält einen Hörsaal, umgreifen rechts und links den Eingang. Mit Backstein und dunklen Sandsteinfassungen profilierte Fenster­bänder kontrastieren die weiße Putzfassade. Gegenüber dem Eingang in der Symmetrieachse angeordnet, wendet sich eine halbrunde Kapelle dem differenziert gestalteten Garten zu. Um Bauelemente zu vermeiden, die an Verwahrung erinnern, setzte Elsaesser Hecken statt Mauern ein. Nach Süden zum Gartenhof ausgerichtet und in hellen Farben gestaltet, erhielten die Krankenzimmer eine freundliche Atmosphäre. Am westlichen Ende liegt die Direktorenvilla.

Bestandssituation

Erwachsenenpsychiatrie – Haus 93

Das Ergebnis von Untersuchungen zeigte einen erheblichen Sanierungsstau und brandschutztechnische Mängel zum Betrieb von Bettenstationen auf. Weiterhin ließen fehlende Sanitäreinheiten und Zimmergrößen bis 5 Betten einen zeitgemäßen Stationsbetrieb in der denkmalgeschützten Bausubstanz nicht zu. Lediglich ein Teil des Ostflügels bzw. des Hauptflügels wurden bisher saniert. Zur Entlastung innerhalb der Brandschutzmaßnahmen und um einem zeitgemäßen Stationsbetrieb gerecht zu werden, war die Bestrebung, alle Stationsbereiche in einem Neubau zusammenzufassen und die Bestandsflächen ergänzenden Funktionen wie tagesklinische Bereiche, Forschung etc. zuzuführen.

Kinder- und Jugendpsychiatrie – Haus 92

Das vorhandene Raumangebot spiegelte den tatsächlichen Bedarf nicht wieder, dies zeigte sich durch die Interimslösung der Autismusambulanz im Bereich des Parkplatzes und fehlenden Therapie- und Untersuchungsräumen. Die Stationen, insbesondere die Akutstation, entsprachen trotz einem Alter von erst 15 Jahren, nicht den Anforderungen an einen modernen und zeitgemäßen Betrieb.

Neuplanung

Erwachsenenpsychiatrie – Haus 93

Zur Entlastung des Bestandensembles wurden alle Stationsbereiche in einem Neubau zusammengefasst. Die Position des Neubaus knüpft dabei an das bestehende Wegesystem des Bestandes an und verbindet gleichzeitig alle Funktionsbereiche über eine Magistrale. Endpunkt dieser Magistrale ist eine gemeinsam mit der Kinder- und Jugendpsychiatrie genutzte Liegendaufnahme für Notfallpatienten. Weiterhin gemeinsam genutzt wird eine Sporthalle im Bereich der Stationen, die unterschiedliche Aufenthaltsqualitäten ausbildet. Um die Sichtachses des "Ehrenhofes" beizubehalten wurde diese im Untergeschoss positioniert.

Kinder- und Jugenpsychiatrie

Die im Bestand vorhandenen Stationen wurden in den sanierten Bereich des Ostflügels umgezogen, lediglich die Kinderstation blieb im Bestand der KJP vorhanden. Die freigezogenen Flächen wurden neu geordnet und im südlichen Bereich am Anschluß an der Magistrale um einen zweigeschossigen Neubau ergänzt.

Aufenthaltsbereiche/Grünflächen

Die in den "Ehrenhof" eingestellten Baukörper differenzieren vier Tiefgärten mit unterschiedlichen Aufenthaltsqualitäten und nehmen gleichzeitig das vorgefundene Thema des Tiefhofes sowie des Hochgartens auf. Zwei der vier Tiefgärten sind den Akutstationen als Aussenbereiche zugewiesen, die beiden anderen sind allgemein zugängliche Bereiche. Die Dachfläche der Sporthalle wird als Hochgarten angeboten, in diesem Bereich wäre eine ergänzende Funktion als Café denkbar bzw. wünschenswert. Die bestehenden Freiflächen bleiben in ihrer Funktion unverändert und sind von den angrenzenden Funktionsbereichen wie auch von den offenen Stationen begehbar. Die Abgrenzung zu öffentlichen Bereichen und Gliederung des Campus erfolgt über Hecken.